Im InfraLab Berlin arbeiten Menschen aus Start-ups und klassischen Unternehmen Tür an Tür oder sogar gemeinsam an innovativen Projekten. Dazu gehört Hendrik Haupt von der BSR.

Es ist schon ein paar Jahre her, als Hendrik bei einer Auslandsreise auffiel, dass dort alles piepte – zum Beispiel Ampeln, Aufzüge oder Rolltreppen. Er bemerkte auch die vielen abgesenkten Bürgersteige und eine Menge Schilder mit Blindenschrift.

Während Barrierefreiheit andernorts damals bereits fester Teil des Alltags war, gehörte sie in Deutschland noch nicht selbstverständlich dazu. Das hat sich mittlerweile zum Glück geändert: auch hier setzen sich immer mehr Firmen, Gemeinden und Verbände dafür ein.

Hendrik hat zuletzt Kunden der BSR betreut und sich zuvor um das Marketing gekümmert. Beste Voraussetzungen, um jetzt innovative Produkte bekannt zu machen. “Die sind ja kein Selbstzweck, sondern sollen den Menschen helfen. Deshalb passt das ganz gut!” Eine dieser Neuheiten ist das barrierefreie Entsorgungssystem arc32. Der Name leitet sich ab aus dem lateinischen Begriff für Bogen (arcus) und 32 ist die Gradzahl, um die die Tonne nach vorn geneigt ist.

Die Idee für den arc32 liegt allerdings schon etwas zurück und ist bei einer Kooperation der BSR mit der Kunsthochschule Weißensee entstanden. Die damalige Studentin Evelyn Malinowska – inzwischen arbeitet sie als Produkt-Designerin für die BSR – hatte sich Gedanken über eine barrierefreie Entsorgung gemacht. Bei der Entwicklung wurden Senioren und Seniorinnen sowie Menschen mit Behinderungen mit einbezogen, um ihren Erwartungen und Bedürfnissen gerecht zu werden. Ziel war keine technische High-End-Lösung, die teuer ist, sondern ein einfaches System, das auf jedem Müllplatz zum Einsatz kommen kann. Es besteht aus einem speziellen Tonnenhalter, der die Einwurfhöhe auf das barrierefreie Maß von unter 85 cm reduziert. Die Tonne kann mit einer Hand benutzt werden, da der Deckel nach dem Öffnen gut erreichbar abgelegt werden kann.

“Die Halterungen können auch für die Tonnen der anderen Entsorger verwendet werden, solange es sich um die 240-Liter-Standard-Tonnen handelt.” erklärt Hendrik. “Wir haben bereits mit ihnen gesprochen – und die Müllwerker sollen ja auch damit zurecht kommen.”

Die Entsorgungslogistik muss nämlich ebenfalls passen: Müllwerker haben meist ein ziemlich ausgeklügeltes System, bei dem die Tonnen durch die Straßen “wandern”, sie also nicht immer auf das gleiche Grundstück zurückgestellt werden. Das geht dort, wo der arc32 verwendet wird, nicht mehr.

Die BSR verkauft lediglich das System, das lokal, in der hauseigenen Kleingerätewerkstatt produziert wird. Die Montage vor Ort erfolgt dann durch den Eigentümer. Zielgruppe für den arc32 sind die Wohnungswirtschaft sowie Betreiber von inklusiven Wohnheimen und Wohnprojekten, die großes Interesse haben: “Müllentsorgung gehört zum täglichen Leben dazu wie Zähneputzen, und es ist frustrierend, wenn ein Mensch, weil er beeinträchtigt ist, das nicht alleine, ohne Hilfe, machen kann.”

Man kann sehr leicht aus dem Rollstuhl heraus den Müll in die Tonne einwerfen. “Es ist aber auch eine klasse Sachen, wenn man Kinder hat – und es gibt noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Die Tonnen stehen immer am gleichen Platz, sodass Menschen mit Farbschwäche oder Seheinschränkung auch sofort wissen, welche Tonne wo steht und nicht lange suchen müssen. Sie finden sich im wahrsten Sinne des Wortes blind zurecht!”

Posted by Maike Hank

Communication Lead | InfraLab Berlin

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