Letzte Woche haben wir den Film “A Plastic Ocean” gezeigt. Im Anschluss beantwortete Regina Gnirss, Leiterin der Wissenschafts- und Forschungsabteilung der Berliner Wasserbetriebe, Fragen aus dem Publikum. Viele wollten wissen, ob sich auch in unserem Trinkwasser Mikroplastik befindet.

Für die Dokumentation A Plastic Ocean ist Dokumentarfilmer Craig Leeson fünf Jahre lang um die Welt gereist. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Aktivisten besuchte er verschiedene Orte, unter anderem Sri Lanka, Indien, Philippinen, die Karibik, USA und Italien.

Ein Schlüsselmoment des Films sind die Aufnahmen vom Great Pacific Garbage Patch: Mit bloßen Auge wirkt das Wasser klar und sauber. Ein Käscher, in dem selbst winzige Partikel hängen bleiben, bringt jedoch ans Licht, dass das Meer an dieser Stelle voller “Plastiksmog” ist. Zum Teil fanden die Forscherinnen hier sogar mehr Plastik als Plankton!

Welche Auswirkungen Plastik auf die Tiere hat, wird durch die Dokumentation sehr deutlich: Schildkröten verwechseln Tüten mit Quallen, die eine Nahrungsquelle sind. Fische, Robben oder Wale werden von größeren Plastikteilen verletzt oder gar stranguliert. Vögel nehmen mit ihrem Schnabel zusätzlich zum Krill Plastikteile auf, die sie nicht verdauen können und zu ihrem Tod führen. Eine Wissenschaftlerin öffnet die Bäuche mehrerer qualvoll verendeter Tiere – aus ihren Mägen birgt sie mit beiden Händen große Mengen bunter Plastikteile. Auf einen Menschen übertragen entspricht dies etwa sechs Kilogramm Müll.

Tiere und Menschen leben und leiden im Plastikmüll

Der Film zeigt aber nicht nur Tiere, die im Plastik leben, sondern Menschen, die inmitten von Müllbergen wohnen und mit dem Sammeln von Plastik Geld verdienen, das kaum für Essen reicht. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind für alle verheerend. Doch wer nun überheblich glaubt, in Europa seien wir einigermaßen sicher, irrt: An der aufgerauten Oberfläche von Mikroplastikteilen bleiben Toxine hängen. Diese gelangen über die Mägen der Fische in deren Organismus und so letztendlich auch in unseren. Die Gifte können Krebs auslösen und den Hormonhaushalt negativ beeinflussen. Ganz abgesehen davon, dass auch hier viel zu viel Plastik produziert und achtlos weggeworfen wird.

A Plastic Ocean liefert leider wenige Lösungen für das Plastik-Problem auf der Welt. Dies ist nicht dem Film, sondern dem Ausmaß der Verschmutzung und dem vielen Plastik geschuldet. Die Plastic Oceans Stiftung regt deshalb nicht nur dazu an, Screenings wie das bei uns im InfraLab zu organisieren und versorgt Schulen mit Lehrmaterialien. Sie möchte mit #RethinkPlastic eine weltweite Bewegung schaffen und hat unter anderem sieben einfach umsetzbare Maßnahmen zusammengestellt, mit deren Hilfe wir nicht noch mehr Plastikmüll produzieren.

Kein Mikroplastik im Berliner Trinkwasser

Nach dem Screening beantwortete Regina Gnirss, Leiterin der Wissenschafts- und Forschungsabteilung der Berliner Wasserbetriebe, Fragen aus dem Publikum. So wollten unsere Gäste wollten wissen, ob auch in Berlin Mikroplastik ins Wasser gelangen kann.

Tatsächlich geschieht dies, wenn sich beim Waschen von Kunstfasern kleinste Teilchen lösen. Größere Plastikgebilde, Tüten etwa, werden in den Gewässern nach und nach mechanisch zerrieben. Das Plastik wird also gar nicht abgebaut, sonder nur in immer kleinere Partikel zerteilt. Was alle erstaunt hat: etwa ein Drittel der winzigen Partikel im urbanen Bereich stammen von Reifenabrieb, den Niederschlag in unsere Gewässer spült.

Regina gab jedoch Entwarnung: Die Klärwerke können 99 Prozent der Mikroplastikpartikel entfernen und auch im Hinblick auf das Berliner Trinkwasser muss sich niemand Sorgen machen. Aufgrund der Trinkwassergewinnung aus tiefen Grundwasserschichten schließen die Berliner Wasserbetriebe ein Vorhandensein von Mikroplastik über diesen Pfad aus.

Snacks sponsored by SirPlus

Unser ganz besondererer Dank geht an SirPlus! Ein Teil des Teams ist vor ein paar Wochen ins InfraLab gezogen und der Lebensmittelretter-Supermarkt hat Popcorn und Nachos in ziemlich ausgefallenen Sorten für unsere Movie Night spendiert. Die kann man entweder bei SirPlus vor Ort in Wilmersdorf kaufen – oder im neuen SirPlus-Online-Shop bestellen, der nun nach und nach mit mehr geretteten Lebensmitteln bestückt wird. Auch ein kleiner Beitrag, den Müllberg in Deutschland zu reduzieren.

Für alle, die kein Screening organsisieren wollen: “A Plastic Ocean” gibt es auch bei Netflix.

Posted by Maike Hank

Communication Lead | InfraLab Berlin

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