Wetterphänomene früher erkennen, Infrastruktur überwachen und Daten besser nutzen: LoRaWAN soll Berlin dabei helfen, smarter und widerstandsfähiger zu werden. Beim dritten LoRaWAN-Tag von Senatskanzlei Berlin und InfraLab Berlin zeigte sich, wie weit das Funknetz bereits ist – und was damit künftig möglich werden soll.
Wie kann Berlin besser auf Starkregen, Hitze und andere Folgen des Klimawandels reagieren? Eine Antwort darauf liegt in kleinen Sensoren, die kontinuierlich Daten liefern – etwa zu Wasserständen, Niederschlägen oder dem Zustand von Infrastruktur. Damit diese Informationen zuverlässig übertragen werden können, braucht es die passende digitale Infrastruktur.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei LoRaWAN. Die Funktechnologie ermöglicht es, Sensordaten über große Entfernungen und mit geringem Energieverbrauch zu übertragen. Welche Möglichkeiten sich daraus für Berlin ergeben, stand im Mittelpunkt der dritten Ausgabe von „Berlin vernetzt sich“, der gemeinsamen Veranstaltungsreihe von Senatskanzlei Berlin und InfraLab Berlin.
Wenn Sensoren helfen, die Stadt resilienter zu machen
Vertreter aus Verwaltung, Infrastrukturunternehmen und Digitalwirtschaft kamen dafür im InfraLab Berlin auf dem EUREF-Campus zusammen. Im Fokus stand diesmal eine konkrete Frage: Wie kann intelligente Sensorik das Klima- und Wassermanagement der Hauptstadt verbessern?
Die Anwendungsfelder reichen von der Früherkennung bei Starkregen bis zur Überwachung kritischer Wasserinfrastruktur. Sensordaten können dabei helfen, Veränderungen schneller zu erkennen, Entscheidungen auf eine bessere Datengrundlage zu stellen und Ressourcen gezielter einzusetzen.
Doch allein eine möglichst große Zahl an Sensoren macht noch keine Smart City. Darauf verwies auch Felix Köhler, stellvertretender Abteilungsleiter der Senatskanzlei Berlin:
„Ein smartes Berlin ist nicht eine Stadt mit den meisten Sensoren, sondern eine Stadt, die Daten sinnvoll nutzt, um smartere Entscheidungen zu treffen.“
Das Berliner LoRaWAN wächst – und mit ihm die Möglichkeiten
Wie weit der Ausbau des LoRaWAN-Netzes und die Aufbereitung der gewonnenen Daten mittlerweile fortgeschritten sind, erläuterte Dr. Simon Bunjamin, Teamleiter Betrieb LoRaWAN bei der Berlin Energie Netz und Service GmbH. Dabei ging es nicht nur um den technischen Stand, sondern auch um die Frage, welche weiteren Anwendungen auf Basis der Infrastruktur möglich werden.
Wie konkret der Nutzen aussehen kann, zeigte Dr. Andreas Matzinger vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin am Beispiel von „SmartWater“. Das Projekt verbindet Sensorik mit Regenwasser- und Gewässermanagement und macht deutlich, wie digitale Daten helfen können, Wasserressourcen in einer wachsenden und vom Klimawandel betroffenen Stadt besser zu steuern.
Auch die Perspektive der Berliner Infrastrukturunternehmen spielte eine zentrale Rolle. Neben Felix Köhler setzte Thomas Neetenbeek von der BVG und Mitglied des InfraLab-Vereinsvorstands einen Impuls zum Auftakt der Veranstaltung.
Vom Einstieg bis zum Blick ins Dashboard
Dass LoRaWAN längst mehr ist als ein abstraktes Technologiethema, zeigte sich anschließend in zwei parallelen Workshops. Sie richteten sich bewusst an unterschiedliche Erfahrungsstufen.
Dr. Claudia Buß von der Senatskanzlei Berlin vermittelte Einsteiger die technischen und konzeptionellen Grundlagen von LoRaWAN – von der Funktionsweise des Funknetzes bis zu möglichen Einsatzszenarien im urbanen Raum.
Für Teilnehmende mit Vorkenntnissen ging Johannes von Reth von der Berlin Energie Netz und Service GmbH einen Schritt weiter. Im Mittelpunkt standen Technik, Daten und Dashboard: Wie werden Sensordaten erfasst? Wie lassen sie sich auswerten? Und wie können die Ergebnisse so dargestellt werden, dass aus Rohdaten tatsächlich nutzbare Informationen entstehen?
Auch an den Informationsinseln wurde weiterdiskutiert, Kontakte wurden geknüpft und neue Anwendungsideen entwickelt.
Die entscheidende Frage: Was machen wir mit den Daten?
Denn Sensoren und Funknetze sind letztlich nur die technische Grundlage. Entscheidend ist, was mit den gewonnenen Informationen geschieht.
Darüber diskutierten zum Abschluss Thomas Neetenbeek, Dr. Andreas Matzinger und Dimitri Ravin von Urban Digital. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Daten aus der digitalen Infrastruktur so nutzbar gemacht werden können, dass sie einen konkreten Beitrag zu Klimaanpassung, urbaner Resilienz und smarter Stadtentwicklung leisten.
Der dritte LoRaWAN-Tag zeigte damit vor allem eines: Die technische Infrastruktur wächst – jetzt geht es zunehmend darum, Anwendungen zu entwickeln, Daten intelligent zu verknüpfen und aus einzelnen Lösungen einen Mehrwert für die gesamte Stadt zu schaffen.
Aus Impulsen, Workshops und Gesprächen entstanden neue Kontakte und Anknüpfungspunkte, die über den Veranstaltungstag hinausreichen. Ein besonderer Dank gilt allen Referent, Partnern und Teilnehmenden, die den Austausch möglich gemacht haben.
Denn auf dem Weg zur smarten und resilienten Stadt gilt: Technologie schafft die Grundlage – ihre Wirkung entfaltet sie erst, wenn Verwaltung, Wirtschaft und Infrastrukturunternehmen gemeinsam daran arbeiten.
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