Von der Strategie zur Umsetzung: Berliner Infrastrukturbetreiber zeigen Wege für die Wärmewende auf
Wie gelingt die Wärmewende in Berlin? Diese Frage stand im Zentrum der InfraLab-Veranstaltung im Rahmen der Digitalen Berliner Energietage. Vertreter:innen der städtischen Infrastrukturunternehmen sowie der Senatsverwaltungen diskutierten über den aktuellen Stand, zentrale Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze für die Umsetzung. Deutlich wurde: Mit der nahezu abgeschlossenen Wärmeplanung beginnt nun die entscheidende Phase – und damit der eigentliche Kraftakt.
Die Diskussion machte klar: Die Wärmewende ist ein Gemeinschaftswerk mit vielfältigen Perspektiven und teils konkurrierenden Interessen. Um voranzukommen, müssen zentrale Zielkonflikte offen benannt und aktiv bearbeitet werden. InfraLab schafft hierfür den Raum, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und kritische Fragen frühzeitig in den Fokus zu rücken.
„Wir sind in der 89. Spielminute“, so Udo Schlopsnies (SenMVKU). Nun komme es darauf an, die vielfältigen Potenziale Berlins – von Geo-, Hydro- und Solarthermie bis hin zur Abwärmenutzung – systematisch zu erschließen und in konkrete Lösungen zu überführen. Mit der Wärmeplanung wird aus gesamtstädtischer Strategie zunehmend eine Frage der Umsetzung vor Ort – auf Ebene von Quartieren, Straßen und einzelnen Gebäuden.
Ein zentrales Ergebnis der Diskussion: Die Wärmewende erfordert klare Rahmenbedingungen, abgestimmte Strukturen und ein gemeinsames Vorgehen aller Akteure. Zielkonflikte – etwa zwischen Milieuschutz und Wärmenetzausbau – müssen frühzeitig adressiert werden. Dr. Felix Groba (SenWEB) hob hervor, dass Förderinstrumente gezielt eingesetzt und verlässliche regulatorische Leitplanken geschaffen werden müssen.
Auch die infrastrukturelle Perspektive spielte eine wichtige Rolle. Regina Gnirß (Berliner Wasserbetriebe) verwies auf die Balance zwischen Geothermie und dem Schutz von Wasserressourcen. Thomas Rütting (Stromnetz Berlin) betonte, dass der Netzausbau durch Elektrifizierung, erneuerbare Energien und neue Lasten getrieben wird – zugleich aber Wärmenetze weiterhin eine zentrale Rolle spielen, insbesondere in den Prüfgebieten.
Einigkeit bestand zudem darin, dass die Wärmewende nur im Schulterschluss gelingt. Michael Stöhr (GASAG) unterstrich die Bedeutung sektorübergreifender Kooperationen sowie die Rolle von grünem Gas für die Absicherung von Spitzenlasten. Gleichzeitig wurde deutlich: Damit Wärmenetze wirtschaftlich und sozial tragfähig sind, braucht es ausreichend Anschlussdichte und verlässliche Rahmenbedingungen.
Susanne Huneke (BEW) brachte es auf den Punkt: „Wenn Transformation irgendwo geht – dann in Berlin.“ Gleichzeitig sei die Wärmewende ein Rennen gegen die Zeit, das entschlossenes, koordiniertes Handeln aller Beteiligten erfordert. Der gemeinsame Nenner: Mit einer klaren Vision, belastbaren Leitplanken und konsequenter Umsetzung kann Berlin den Übergang von der Planung in die Realität erfolgreich gestalten.
Hier die Veranstaltung nochmal zum Nachschauen: https://www.youtube.com/watch?v=70idp1o4wFg&t=1703s

