Mit einem Solarteppich für Radwege, Garagenzufahrten, Fahrbahnen und Parkplätze kann natürliche Sonnenenergie gespeichert und direkt in Strom verwandelt werden. Smart! Aber wie kann so etwas technisch und als Geschäftsmodell funktionieren?

„Die Solmove GmbH entwickelt einen Straßenbelag, der Strom aus Sonnenlicht erzeugt, Schall schluckt, Stickoxide abbaut, im Winter Eis abtaut und E-Mobile mit Strom versorgt“, beschreibt Ailin Song das Solarzukunftsprodukt, dessen Projektmanagement sie seit August 2018 leitet.

Konkret bilden viele kleinen Glasfliesen – 1,2 Meter große quadratische Module – die elektrisch und mechanisch miteinander verbunden sind, einen mosaikartigen Solarteppich, der durch Photovoltaik bis zu 30 Volt an der Oberfläche erzeugen kann.

20 Millionen E-Autos direkt auf solarbetriebenen Straßen aufgeladen

Die Idee zur Solarstraße entstand im Allgäu. Auf der Suche nach freien Dachplätzen für Solarmodule fuhr Solmove-Gründer Donald Müller-Judex drei Tage übers Land – vergeblich. Die vielen leeren, sonnenbeschienenen Straßen fielen ihm jedoch als Gegenpol zu den bedeckten Dächern ins Auge. Damit war die Idee geboren, dieses horizontale Potenzial zu nutzen und smarte Straßen zu entwickeln. Die Straßen sollten nicht nur als Verkehrsadern, sondern gleichzeitig als Stromlieferanten genutzt werden.

Nach aktuellen Berechnungen können 20 Millionen E-Autos mit der sauberen Stromtechnologie angetrieben werden – Straßenfreiflächen gäbe es ausreichend. „Wir gehen davon aus, dass 1 qm Modulfläche bis zu 100 kWh pro Jahr erzeugten wird. In Deutschland haben wir ca. 1,4 Milliarden qm horizontale Fläche zur Verfügung, die wir nutzen könnten. Ungefähr 25 Prozent der Straßen sind für die horizontale Photovoltaik geeignet. Daraus ergibt sich ein maximaler Energieertrag von 100 (TWh/ Jahr)“, erklärt Ailin. Eine Straße, die kein Geld kostet, sondern Ressource erzeugt, das ist Teil der Solmove-Vision.

Sauberer Strom und digitale Versorgung als tragende Säulen

Stromerzeugung ist eine Säule des Geschäftsmodells, eine andere: digitale Versorgung.

Induktives Aufladen von E-Autos, beleuchtete Fahrradstrecken durch LED-Fahrbahnen oder autarker Winterdienst durch Solarbodenwäre, sind weitere Ideen, die das Potenzial von Solmove als Baustein smarter Stadtentwicklung aufzeigen.

Doch ein derart technologisch hochwertiges und innovatives Projekt will finanziert werden. Wie jedes Start-up steht auch Solmove vor dieser Herausforderung: „Wir mussten lernen mit knappen Ressourcen zu haushalten und trotzdem Großartiges zu schaffen“, sagt Ailin.

Gut vernetzt ist halb finanziert

Das Team baut deshalb auf Vernetzung mit Partnern, Fachexperten und Branchenkennern. Mit der Deutschen Bahn und dem Fraunhofer ISE hat Solmove eine Potentialstudie durchgeführt. Namenhafte Forschungseinrichtungen wie das Forschungszentrum Jülich oder Universitäten in Bayreuth und Aachen unterstützen das Projekt in seiner konsequenten Weiterentwicklung.

Derzeit arbeitet Solmove am ersten Solar-Radweg Deutschlands bei Köln, der am 12. November von Bundesumweltministerin Svenja Schulze eröffnet wird. Im nächsten Schritt soll die Entwicklung eines Moduls geprüft werden, das zwischen Bahngleisen verlegt werden kann.

Seit April 2017 arbeitet das dreiköpfige Solmove-Team im InfraLab. Ailin zieht Bilanz:
„Wir sind sehr glücklich mit der Zusammenarbeit bisher. Alle Personen hier sind super nett und sehr hilfsbereit. Dies schafft eine lebendige Start-up-Atmosphäre, die sehr motivierend für uns ist. Neben den zur Verfügung gestellten Ressourcen – wie Konferenzraum, Präsentationstechnik oder den „Dorfplatz“, mit Küche – nutzen wir gerne die Gelegenheiten unser Unternehmen bei den Besuchern des InfraLab zu präsentieren und wichtige Kontakte aufzubauen.“

Danke für die Blumen, liebes Solmove-Team! Wir freuen uns ebenfalls, auf die weitere Zusammenarbeit und sind gespannt, über welche Wege uns der Solarteppich künftig führen wird.

Lisa Reuter

Posted by Lisa Reuter

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