Wir nutzen täglich Straßen, um sie zu befahren, um Wege von A nach B zurückzulegen und um Waren zu transportieren. Aber kann eine Straße auch mehr? Viel mehr, erklärt Donald Müller Judex, Gründer des Start-ups Solmove. Seit 2016 entwickelt sein Team das innovative Konzept einer Solarstraße bei uns im InfraLab, umso mehr freuten wir uns diese Woche über interessierte Gäste bei unserem BizBreakfast u.a. von Berlin Partner, den Berliner Wasserbetrieben oder der Berliner Stadtreinigung (BSR) und einen regen Austausch.

Vorhande Straßenflächen vielfach nutzen

Solmove entwickelte einen Straßenbelag, der die Straße zum smarten Multifunktionsträger macht. Mosaikartig zusammengesetzte Solarzellen bilden eine Oberfläche, die mittels Sonnenenergie autonom Strom und Wärme erzeugt.

Der Belag ist mit feinteiligen Sensoren ausgestattet, schallisolierend, äußerst robust und rutschfest. Lastwagen mit bis zu 11,5 Tonnen Achslast tragen die Bodenplatten problemlos. Die Solarmodule fungieren zudem als autonomer Winterdienst, indem sie wärmeproduzierend Schnee und Eis elektrisch abtauen. Ein weiterer Mehrwert ist die mögliche Zusatzbeleutung auf Schul- und Transportwegen, mehr Licht sorgt für mehr Sicherheit.

Nachhaltig und zeitgemäß wird das Solmove-Konzept jedoch insbesondere dadurch, dass es Infrastruktur im öffentlichen Raum smart vernetzt. Durch gekoppelte Sensorik in den einzelnen Solarmodulen lassen sich Verkehrsdaten erheben und auswerten und dadurch wiederrum neue Services, wie etwa synchronisierte Ampelschaltung oder Parkplatzmanagement via App, anbieten.

Eines Tages, so die Vision der Tech-Unternehmer, werden Straßen dynamisch induktiv Strom erzeugen und uns als Nutzer autonom mit grünem Strom ohne extra Ladesäulen am Straßenrand versorgen.

Mutig ist, wer trotzdem investiert

Sicherlich, die Investitionskosten für eine Solarstraße sind hoch. Konkrete Einsparungen durch den Einsatz einer Solarstraße lassen sich zudem schwer vorhersagen. Nach Rechnungen von Solmove entstehen aber dennoch enorme wirtschaftliche Vorteile, insbesondere für städtische Versorger. Anhand des Beispiels „Winterdienst“ haben Solmove
auf bereits eröffneten Teststrecken in der Nähe von Köln und in Berlin erste Werte erhoben. Demnach lassen sich durch elektrische Räum- und Streuvorgänge bei schätzungsweise 55 Wintertagen im Jahr die Kosten von 220 auf 30 Euro reduzieren. Hinzukommt, dass herkömmliche Reparatur- und Instandhaltungsleistungen des originären Straßenbelags entfallen.

Nicht umsonst wird die Innovation des Start-ups hoch bewertet – auch öffentlich. Und dennoch: die Finanzierung ist nach wie vor eine Herausforderung für das junge Team. Zumal schwer skalierbare Investitionen vermeintlich widersprüchlich zum aktuellen Trend stehen, Angebote möglichst Kundennah, direkt und effizient zu gestalten. Aber wer Innovation vorantreiben will, muss eben auch Entwicklungsstufen durchhalten und das lohne sich, so die Einstellung des Gründers.

Einfach machen! Rückenwind für regenerative Energie

Mittlerweile erhält Solmove EU-Förderung und breiten gesellschaftlichen Rückhalt – nicht zuletzt durch die aktuelle Klimaschutz-Debatte rund um die Bewegung „Fridays for Future“.
Der schwedische Klimaforscher Johann Rockström von der Universität Potsdam sagt voraus, dass alle Entscheidungen der nächsten 10 Jahre, erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Erde für die nächsten 60 Jahre haben werden. Laut einem Bericht des Bundesamtes für Umweltschutz braucht es künftig siebenfache Leistungen aus grünem Strom, um umweltbewussten Energiebedarf für die Zukunft zu sichern – die Projektrelevanz zur Förderung regenerativer Energien scheint unumstritten. Bis zum Ende des Jahres erhält die Technologie eine einheitliche Normierung weltweit.

Solmoves Solarstraße und visionäre Geschäftsidee, treffen daher nicht nur den Zeitgeist, sondern vor allem das Credo: Lasst uns etwas tun!

Seht euch den Vortrag von Donald Müller-Judex in voller Länge an:

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Lisa Reuter

Posted by Lisa Reuter

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