Die Dokumentation Chasing Ice erzählt von der Mission des gefeierten Umwelt-Fotografen James Balog, der eindringliche Beweise für den Klimawandel und die Veränderung der Erde zusammengetragen hat.

Balog und sein Team hatten Zeitrafferkameras in der Arktis aufgestellt, um über Jahre hinweg die Zerstörung der Gletscher festzuhalten. Der Film zeigt die Beschwerlichkeit dieses Projekts. Wie wichtig Balogs Arbeit ist, wird am Ende deutlich, als der Fotograf zu unterschiedlichen Auftritten begleitet wird, bei denen er seine Ergebnisse präsentiert und auch die Zusammenschnitte der Fotos gezeigt werden.

Aber nicht nur der Film löste großes Unbehagen aus. Im Anschluss an das Screening beantwortete Dr. Renate Treffeisen vom Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Fragen aus dem Publikum.

Ist der Film vertrauenswürdig?

Die Fragen bezogen sich unter anderem auf die Glaubwürdigkeit von “Chasing Ice” und die Akzeptanz in der Kilmaforscher-Community. Aufgrund der starken Präsenz von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, sowie den vielen bereitgestellten Informationen aus der Forschung, gab es hier jedoch keine Kritik von Seiten der Expertin. Auch ihr Institut forscht in dieser Lebenswelt, weshalb ihr die im Film gezeigte harsche Gegend und die große Abhängigkeit von Technik sehr vertraut war.

Auch im Hinblick auf die fehlende Aktualität – schließlich ist der Film schon etwas älter – konnte Frau Dr. Treffeisen leider keine beruhigende Antwort geben.

Keine Regenaration

Eigentlich ist es ein ganz natürlicher Prozess, dass Gletscher schmelzen, denn im Anschluss daran wachsen sie wieder und alles bleibt im Gleichgewicht. Doch seit 2000 kann man beobachten, dass tendenziell keine vollständige Regeneration mehr stattfindet. Außerdem hat ganz Grönland inzwischen Schmelzprozesse gezeigt, die es in der Form noch noch nie gegeben hat, seit dort dazu geforscht wird. Man findet dort zwar noch Gletscher, doch es gibt keine Möglichkeit mehr, sie zu retten. Sie werden alle schmelzen. Der im Film erwähnte point of no return ist keine Übertreibung.

Dies merkt man auch an europäischen Küsten, wo der Meeresspiegel ansteigt. Nicht so deutlich wie im Film, aber die Veränderung ist darstellbar. Deshalb rüstet Deutschland bereits auf und erhöht im Rahmen des Generalplans Küstenschutz die Deiche. In Bremen und Bremerhaven betrifft das eine 125 km lange Deichlinie, hinter der 40.000 Menschen wohnen.

Wer muss handeln?

Unsere Gäste beschäftigte aber nicht nur die Ausmaße der schmelzenden Gletscher, sondern was sie selbst tun konnten, um einzuschreiten. So wurde in einer Diskussion unser Lebenswandel kritisiert, von anderen aber in Frage gestellt, ob man als einzelne Person überhaupt etwas ändern kann und es nicht vielmehr Aufgabe von Wirtschaft und Politik ist, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Frau Dr. Treffeisen entließ jedoch niemanden aus der Verantwortung: “Ich denke, es betrifft alle – die Politik und Einzelne. Man selbst kann ja etwas tun. Man kann sich zum Beispiel auch hinsetzen und aufklären, indem man Fragen zum Thema beantworten. Außerdem hat man jederzeit die Möglichkeit, Druck auszuüben auf Unternehmen und auch die Politik.”

Maike Hank

Posted by Maike Hank

Communication Lead | InfraLab Berlin

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